Unternehmensgründung: Vollständige rechtliche Verfahren 2026
Unternehmensgründung in Frankreich 2026: Wahl der Rechtsform, Kapitalanlage, Eintragung, Satzungen und erste elektronisch unterzeichnete Verträge.
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Redakteur — Certyneo · Über Certyneo

Einleitung
Die Gründung eines Unternehmens in Frankreich ist ein strukturiertes Rechtsverfahren, das umfangreiche Verwaltungs- und Rechtskenntnisse erfordert. Ob Einzelunternehmen, SARL oder SAS – jede Rechtsform bringt spezifische Anforderungen in Bezug auf Satzungsverfassung, Eintragung ins Handels- und Gesellschaftsregister (RCS) und Steuerregelung mit sich. Seit der Einführung des von der INPI verwalteten einheitlichen Schalters am 1. Januar 2023 wurden die Formalitäten digitalisiert und haben den Prozess grundlegend verändert. Dieser Leitfaden erläutert alle rechtlichen Schritte, häufige Fallstricke und steuerliche Auswirkungen für jede Unternehmensform, um Ihr Unternehmensprojekt von Anfang an zu sichern.
1. Wahl der Rechtsform und Satzungsverfassung
Die Wahl der Rechtsform bestimmt die gesamte für das Unternehmen geltende Regelung: Haftung des Geschäftsführers, Besteuerung, Sozialversicherung und Unternehmensführung. Artikel 1832 des Bürgerlichen Gesetzbuches definiert eine Gesellschaft als Vertrag, was eine sorgfältige Ausarbeitung der Satzung für Handelsgesellschaften (SARL, SAS, SA) erfordert.
Die Satzung muss obligatorisch die Firmenbezeichnung, den Unternehmensgegenstand, den Sitz, die Dauer (maximal 99 Jahre), das Stammkapital und die Funktionsweise festlegen. Bei einer SAS bietet Artikel L. 227-1 des Code de commerce große Gestaltungsfreiheit, die es ermöglicht, die Befugnisse des Präsidenten und der Leitungsorgane anzupassen. Im Gegensatz dazu ist die SARL stärker durch die Artikel L. 223-1 ff. geregelt.
Die Ausarbeitung erfordert besondere Aufmerksamkeit für Zustimmungsklauseln, Vorkaufsrechte und Austrittsklauseln (Drag Along, Tag Along), die die Gesellschafter schützen. Ein häufiger Fehler ist die Unterschätzung der Bedeutung der Gesellschaftervereinbarung – ein zusätzliches Dokument zur Satzung, das aber für die Regelung der Beziehungen zwischen Partnern unerlässlich ist. Die Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts oder Steuerberaters wird dringend empfohlen, um zukünftige teure Rechtsstreitigkeiten zu vermeiden.
2. Eintragung und Formalitäten beim Handelsregister
Seit dem 1. Januar 2023 werden alle Formalitäten zur Unternehmensgründung über den einheitlichen Schalter der INPI abgewickelt (Artikel 1 des PACTE-Gesetzes vom 22. Mai 2019). Diese Plattform ersetzt die bisherigen CFE (Formalitätsstellen für Unternehmen).
Die Eintragungsakte ins RCS muss enthalten: die unterzeichnete Satzung, die Kapitaleinzahlungsbescheinigung (bei Gesellschaften mit Kapital), die Publikationsbescheinigung in einem Bekanntmachungsblatt (JAL), die Nichtverurteilungsbescheinigung des Geschäftsführers, einen Nachweis der Geschäftsstelle und eine Kopie des Personalausweises des Vertreters. Artikel R. 123-53 des Code de commerce spezifiziert die erforderlichen Unterlagen.
Die Eintragung führt zur Zuweisung der SIREN-Nummer durch das INSEE, der SIRET-Nummer und des APE-Codes. Das Kbis – das offizielle Dokument der rechtlichen Existenz – wird innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Validierung ausgestellt. Für reglementierte Tätigkeiten (Anwälte, Ärzte, Immobilienmakler) ist eine Eintragung beim entsprechenden Berufsverband oder die Erlangung eines Berufszertifikats im Voraus erforderlich.
3. Steuerliche Regelung und Anmeldepflichten
Die steuerliche Regelung hängt eng mit der gewählten Rechtsform zusammen. Der Einzelunternehmer profitiert vom Pauschalbetragssystem mit einem Kostenabzug (71%, 50% oder 34% je nach Tätigkeit) und kann sich für die pauschale Umsatzsteuerentrichtung entscheiden (Artikel 151-0 des CGI).
SARL und SAS unterliegen standardmäßig der Körperschaftsteuer (IS) zu einem ermäßigten Satz von 15% bis 42.500€ Gewinn, danach 25% (Artikel 219 des CGI). Eine Wahl zur Einkommensteuer ist für Familien-SARL oder SAS für maximal 5 Jahre möglich.
Die Umsatzsteuer unterliegt drei Regelungen: Steuerbefreiung (Schwellwerte 2024: 36.800€ Dienstleistungen, 91.900€ Verkauf), vereinfachtes System oder normales System. Die Anmeldepflichten umfassen die jährliche Steuererklärung, die Umsatzsteuererklärungen (monatlich oder vierteljährlich) und die CFE (Geschäftsvermögenssteuer).
Konkrete Anwendungsfälle
Fall 1 – Unabhängige Beraterin in Einzelunternehmen: Marie, HR-Beraterin, gründet ein Einzelunternehmen, um ihre Dienstleistungen in Rechnung zu stellen. Geplanter Umsatz: 60.000€. Sie profitiert von der Steuerbefreiung (< 36.800€ schrittweise überschritten) und einem Steuerabzug von 34%. Verfahren: Online-Anmeldung über den einheitlichen Schalter der INPI in 15 Minuten.
Fall 2 – Gründung einer Familien-SARL (Gastronomie): Drei Gesellschafter gründen eine SARL mit 15.000€ Kapital zur Eröffnung eines Restaurants. Wahl der Einkommensteuer für 5 Jahre, da Familien-SARL. Satzungsausarbeitung mit verstärkter Zustimmungsklausel. Gesamtkosten der Eintragung: etwa 230€ (JAL + INPI).
Fall 3 – Startup als SAS mit Mittelaufbringung: Ein Tech-Startup entscheidet sich für die SAS-Form, um Investoren aufzunehmen. Maßgeschneiderte Satzung mit Vorzugsaktien, Aktienoptionen für Mitarbeiter und detaillierte Gesellschaftervereinbarung. Startkapital von 10.000€ mit Liquidationspräferenzklauseln.
Rechtliche Compliance und Referenzen
Die Unternehmensgründung ist in einem dichten Rechtsrahmen verankert. Der Code de commerce (Artikel L. 123-1 bis L. 123-11) regelt die Eintragung und das RCS. Das Bürgerliche Gesetzbuch (Artikel 1832 bis 1844-17) regelt den Gesellschaftsvertrag. Die Richtlinie (EU) 2019/1151 zur Nutzung digitaler Werkzeuge hat die Digitalisierung beschleunigt. Für reglementierte Berufe verhängt die Berufsordnung für Anwälte (Verordnung Nr. 2005-790) besondere Anforderungen, insbesondere zur Wahrung des Berufsgeheimnisses (Artikel 226-13 des Code pénal). Die ISO-9001-Normen können zur Strukturierung der Qualität interner Rechtsdienstleistungen herangezogen werden.
Fazit
Die Unternehmensgründung erfordert einen methodischen Ansatz, der die strategische Wahl der Rechtsform, die präzise Satzungsausarbeitung und die strikte Einhaltung der Eintragungsformalitäten verbindet. Die Digitalisierung über den einheitlichen Schalter hat die Verfahren vereinfacht, aber die steuerliche und soziale Komplexität bleibt. Eine Begleitung durch einen Geschäftsanwalt oder Steuerberater bleibt eine rentable Investition, um das Projekt zu sichern. Planen Sie künftige Veränderungen Ihrer Struktur (Mittelaufbringung, Wachstum, Veräußerung) bereits bei der ursprünglichen Satzungsausarbeitung ein, um teure Umstrukturierungen zu vermeiden.
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